Bildungschancen gefährdet – Kürzungen an integrierten Gesamtschulen müssen zurückgenommen werden

Die Entscheidung des Hessischen Kultusministeriums, die Zuweisung von Stellen zur Binnendifferenzierung an integrierten Gesamtschulen zu reduzieren, trifft aus Sicht des Elternbundes Hessen e. V. die Schülerinnen und Schüler dort besonders hart, wo sie am stärksten auf Unterstützung angewiesen sind.

Die Binnendifferenzierung ist ein zentrales pädagogisches Element integrierter Gesamtschulen. Sie ermöglicht es, Lernende mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen gemeinsam zu unterrichten und gezielt zu fördern – etwa durch zusätzliche Lernzeiten, Team-Teaching und präventive Unterstützung. Die Streichungen führen zu erheblichen Stundenverlusten: Je nach Jahrgang gehen bis zu 2,1 Lehrerwochenstunden pro Klasse verloren, und viele Förderangebote können ohne diese Ressourcen nicht mehr aufrechterhalten werden.

„Gerade in Zeiten, in denen der IQB-Bildungstrend für Hessen deutlich sinkende Kompetenzen – insbesondere in Mathematik und den Naturwissenschaften – konstatiert hat, ist es unverständlich, an den Strukturen zu sparen, die diese Defizite ausgleichen helfen“, erklärt Korhan Ekinci, Vorsitzender des Elternbundes Hessen e. V.

Integrierte Gesamtschulen leisten einen wichtigen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit, weil sie längeres gemeinsames Lernen ermöglichen und den qualifizierten Sekundarabschluss für möglichst viele junge Menschen anstreben. Für Eltern ist klar: Bildungspolitik muss dort investieren, wo sie Lernprozesse stärkt – nicht dort, wo sie sie schwächt.

„Als Eltern wünschen wir uns ein Bildungssystem, das alle Kinder mitnimmt – unabhängig von Herkunft und Lernstand. Die geplanten Kürzungen gefährden genau diese Chancengleichheit. Jetzt braucht es mutige politische Entscheidungen, um Schulen so auszustatten, dass sie ihren pädagogischen Auftrag erfüllen können“, so Korhan Ekinci.

Die Landesregierung ist daher aufgefordert, die angekündigten Streichungen zurückzunehmen und stattdessen die personelle Ausstattung an integrierten Gesamtschulen zu sichern und auszubauen.

Hintergrund:
In Hessen lernen Schülerinnen und Schüler an integrierten Gesamtschulen gemeinsam – ohne vorgegebene Teilung in Hauptschul-, Realschul- oder Gymnasialzüge. Grundlage des Unterrichts ist die Binnendifferenzierung, die individuell fördert und unterstützt. Ohne die zugewiesenen Stellen sind zahlreiche Förderangebote, die insbesondere leistungsschwächeren oder unterstützungsbedürftigen Lernenden zugutekommen, nicht mehr realisierbar.